Meine Pferde  

 

 

Chouchou

Wie kommt die Jungfrau zum Kind, wie kam Jachino zum Pferd?

Mit über 50 Jahren erfüllte sich mein Kindheitstraum: als ich 13 Jahre alt war, sah ich eine Sternschnuppe und wünschte mir ein weißes Pferd, einen Schimmel. Mein Opa hatte damals ein Doppelpony für uns Kinder, aber das gehörte ja meinem Opa und dann meinem Onkel, auf dem lernte ich etwas reiten. Es war ja Krieg, und es gab nicht einmal einen Sattel dafür. Doppelponies neigen dazu, recht eigenwilig und unberechenbar zu sein. De lütt Voss, der kleine Fuchs hatte die Angewohnheit, den Kopf zwischen die Beine zu nehmen und schwupp lag man im Gras.Nur wenn er galoppierte , sass man sicher und vergnügt auf Pferdesrücken: dem Paradies auf Erden. Ich zeichnete fast nur noch Pferde und Puppen.

Das war 1943.

1981 ging mein Kindheitstraum in Erfüllung.Sogar geschenkt. Denn dieses Pferd wollte niemand haben und ich hatte keine Ahnung von Pferden.So gaben wir es in Pflege zu einem Experten. Einem Pferdezüchter, Reitlehrer mit goldenem Reiterabzeichen, der im Krieg jungen Offiziere Reituntericht gegeben hatte, um sie zu bestrafen. Er hatte weit draussen auf einer Wiese ein paar wackelige Holzhütten als Stall gebaut. Herr Zenz war ein richtiger Draufgänger und Aufschneider. Er kam aber nicht klar mit unserem Pferd. Das ist kein Pfrd, das ist ein Teufel, schrie er.Und mein Vater wies auf die ungewöhnlich großén schwarzen Augen,"Junge,mit diesem Pferd kommst duu nie klar, da ist viel zu viel weiß in den Augen!" Nur unter dem Sattel mit meinem Julchen war das Pferd bav und folgsam. Sogar mich ließ es aufsitzen. Das brachte den Herrn Zenz in Rage, hinter unserem Rücken scheuchte, plagte und schlug er das Pferd. Da brachten wir unser Pferd zu uns nach Hause, ich hatte eine Box gefunden bei einem Hobbyreiter,der gab dem Pferd stark zuckerhaltiges Kraftfutter und es wurde nun total verrückt: es tobte , schlug die Futerkrippen kurt und klein, eswar unmöglich das Pferd zu striegeln, zu longieren, ich hatte meine liebe Not damit. Nun wurde es krank, auch der Tierarzt konnte nicht helfen. Später hatte ich den Stall bei uns im Haus hergerichtet. Mein Patenkind Julchen war Mitbesitzerin, aber sie wurde unheilbar krebskrank, musste ins Krankenhaus, der Schnee lag meterhoch. Dastapfte ich durch den Schnee, an einer Hand unser Pferd, an der andern Hand unsern kleinen Hund, auf dem Pferd das Julchen mit Gipsbein. Ein Bild für die Götter!

Es dauerte einige Jahre, bis wir mit dem Pferd klar kamen. Freunde vom Circus sagten mir: das Pferd darf nicht länger einsam sein, nur davon ist es krank. So kauften wir die kleine Leila.

Leila

 

September 1982

Es war in Riegel beim Circus Montana. Ich war dabei, als das kleine Fohlen zur Welt kam, in den kommenden Wochen besuchte ich es täglich im Wagen bei seiner Mutter, ein allerliebstes kleines Pferdchen, braun, mit einem weißen Stern auf der Stirn. Als Ich Montana im nächsten Frühjahr besuchte, erfuhr ich, dass Gegix es verkaufen wollte. Ich kaufte es für 700.-DM. Julchen und ich fuhren mit dem VW-Bus ihres Onkels, das Fohlen abzuholen. Es stand brav hinter unseren Sitzen und wollte gestreichelt werden. 5 km vor der Ankunft daheim streikte das Auto. Wir luden das Fohlen aus und es ging zu Fuß weiter. Es fing an zu schneien und wir bedeckten unsern Schatz mit unseren Jacken. Am Ortsrand vonTäferrot schien die Sonne wieder, und die Pferde wieherten laut zur Begrüßung, sie waren sofort unzertrennliche Freunde und waren zusammen in einer Box.

Das kleine Pferdchen wae so hübsch, dass auch der Amtstierarzt begeistert war. Ein winziger kleiner Araber in Miniatur. Mit der typischen Hechtnase, feinen Gängen und winzigen Hufen. Aber sie war ein kleiner Strolch und Wirbelwind, Schwupp hatte sie ein Loch zum entwischen gefunden, schwupp hatte sie die Boxentür geöffnet und die Haferkiste entdeckt. Ich musse ganz schön rennen, um sie weder einzufangen. Aber sie war total verschmust. Ich konnte nicht allein mit dem andern Pferd, meiner Camarguestute Chouchou ausreiten, ohne die kleine Leila mitzunehmen, sie lief brav am Handzügel bis wir in den Wald kamn. Hier ließ ich sie frei und sie durchstöberte den Wald, kam aber auf Zuruf sofort zu mir, denn da gab es ein Leckerli: ein paar Haferkörner oder Karottenstückchen aus meiner Jackentasche.

Gegix hatte mir den Rat gegeben, für viel Bewegung zu sorgen, damit ich mehr Hafer geben kann und sie noch etwas wachsen wird.

Für die Bewegung befolgte ich die Ratschläge des großen Pferdemeisters Fredy Knie,sen: ich improvisierte eine runde Manege hinter dem Stall, in die konnte ich meine Pferde treiben,ohne sie zu berühren. Denn mit der launischen, temparementvollen Camarguestute Chouchou hatte ich noch Probleme, weil sie sich nicht immer berühren ließ um z.B. ein Halfter anzulegen, sie neigte dazu, auszukeilen.

Ich führte die kleine Leila in die Manege und trieb sie an, zu laufen: Mit Zuruf und Peitschenknall. Erst an der Longe, dann frei, befolgte sie sehr schnell meine Komandos Schritt, Trab, Galopp, Halt. Wie schnell sie lernte. Willig trabte und sprang sie über kleine Hindernisse, ich hatte mir Cavalletti gebaut, wie sie bei Knie in den Proben verwendet werden. Dann Halt! Ich ging zu ihr, nahm ihren Kopf,streichelte sie, gab ihr Hafer, drehte sie herum und sagte zu ihr"Leila,Pirouette", dreimal. Wieder laufen, dann Halt, ich rief Leila,Pirouette!" und klappte mit der Peitsche. Potztausend, sie tat es. Ohne dass ich sie wie die Circusleute in die Longe gewickelt hatte,diesen alten Trick brauchte ich garnicht. Ich war glücklich:ist denn das Pferdchen bereit dressiert auf die Welt gekommen?

Am nächsten Tag brachte ich auch mein amderes Pferd in die Manege und nun lernten sie beide gemeinsam. Immer neue Ideen konnte ich verwirklichen, mine Phantasie war grenzenlos.Jeden tag probte ich mit meinen Pferden, für die Abendstunden hatte ich Scheinwefer montiert. In der Manegenmitte stand eine Kiste mit meinem Kassettenrekorder, unter dem Boden hatte ich ein Kabel in einem Stahlrohr verlegt. Schon gut, dass ich früher mal ein vesrierter Elektriker und Monteur war.

So konnte ich meine Pferde täglich bewegen, ausreiten oder/und in der Manege unter freiem Himmel.

Ohne Reithalle,die war zu teuer und frische Luft ist sowieso besser.

1985, nach einer Generalprobe im Kindergarten der erste Auftritt in der Manege von Circus Bonanza in Neu-Ulm. 4 Wochen, täglich 2 mal.

Nie vergesse ich den ersten Auftritt: Die Pferde scheuten vor der Zeltplane am Eingang, endlich in der Manege: ein Unwetter donnerte und prasselte auf’s Circuszelt, Man verstand kaum ein Kommando, die Pferde höchst unruhg und ich völlig durcheinander. Es war schon ein Erfolg, dass die Pferde überhaupt in der Manege blieben. Aber nach 4 Wochen arbeiteten die Pferde wie am Schnürchen und drehten sogar den ersten Walzer.

1986 eröffnete ich meine Circusbilderausstellung in der Galerie Dewangen bei Aalen mit einer eigenen Circusshow, allein mit meinen Pferden und als Clown. Nun waren die Pferde perfekt und einJahr später waren wir Teil des Circus Aldoni.

Von Aldoni aus fuhr ich nach Lorch, um meine Pferde in der Schule vorzuführen.

Das war interessant und anregend für meine Pferde. Sobald ich eine Gelegenheit fand, ritt ich mit ihnen aus .Ich probte viel. Meine Pferde hatten Gesellschaft ihrer Artgenossen, es kamen viele Kinder, in den Circus, um zu helfen, sie striegelten meine Pferde und ich war immer in ihrer Nähe. Meine Pferde genossen den Applaus! Wenn es sehr viel Applaus gab, weigerte sich die Camarguestute, die Manege zu verlassen. Sie blieb stehen vor der Mittelloge, ich konnte rufen und mit der Peitsche knallen, sie blieb stehen - bis ich sie hinaus ritt. Das Publikum jubelte über den gelungenen Trick, aber es war kein eingeübter Trick. Für mich die höchste Belohnung für all meine Müh.