Es begann 1980 in Reggio Calabria. Ich suchte den Circus „Cittá di Roma" auf Grund eines Hinweises meines Freundes Antonino Anselmo, der verheiratet war mit Rosetta, der Tochter dieses Circus. Ich wußte nur, dass der Circus irgendwann in den nächsten Tagen oder Wochen in Reggio Calabria eintreffen soll. Ich quartierte mich ein im nahe gelegenen Scilla.
Scilla das legendenumwobene Scilla, von dem Homer schrieb.
Ich begriff hier die ungeheure Macht der Natur an der vom Sturm zerstörten
Hafenbefestigung des idyllischen Fischerdorfes. Ich malte am Strand die mich
umkreisenden Möwen.
Jeden Tag fuhr ich über die Autobahn nach Reggio Calabria. Endlich sah ich erste Plakate des Circus, so erfuhr ich, wo der Circus spielen wird. Ein einsamer Platz, wenig einladend, verlassen, voll Gerümpel. Endlich dort ein erstes Fahrzeug, ein kleiner Bus der Werbekolonne. Noch ein Fahrzeug, aber nicht vom Circus, eine Zigeunerfamilie in einem uralten Deiradfahrzeug, hermetisch mit Zeitungen und Pappe zugedeckt.
Nach etwa 10 Tagen dann war der Platz gefüllt mit Circus-Fahrzeugen, ich hörte Tiere. Pferdegewieher, Löwengebrüll. Es regnete. Unter dem Vordach des Restaurationswagens eine Gruppe Arbeiter in blauer Arbeitskleidung. Dreckverschmiert. Ich näherte mich und fragte weisungsgemäß nach dem Herrn Direktor. Einer von den Arbeitern trat vor: „Mi dica!" Sagen sie mir.. Ich sagte mein Sprüchlein auf, wie es mir Antonino Anselmo eingeprägt hatte.
Das gab Bewegung. Mir wurde der Platz neben dem Wagen des Seniorchefs angewiesen für meine Fahrzeuge. Damit war ich in der Circusfamilie aufgenommen, ohne zu ahnen, welche Ehre mir damit zu Teil wurde.
Meine Fahrzeuge? Mein Citroen Break 1,2 l ohne Wohnwagen. Fasziniert sah ich zu, als der Regen aufhörte und der Aufbau des Circus begann. Das riesige Zelt mit 4 Masten nahm gestalt an und ich fand bald heraus, wo ich mit anpacken konnte, ohne mit der Händen in der Tasche herumzustehen. Ich schnappte mir 2 Marokkaner, die müßig herumstanden und bildete mit ihnen eine Arbeitsgruppe, um wie die andern die Stütz-Stangen des Zeltes hoch zuhieven und zu befestigen. Später half ich bei der Aufstellung der Stühle. Es war schon nach Mitternacht, als es zu Bett ging. Ich in meinem kleinen Citroen.
Welche Überraschung: der Circus hatte sich nun umbenannt in „Rita-Circus" für eine halbe Saison. Die zweite Hälfte der Vorstellung bestritt Rita Pavone mit ihrer Show. Sie sang und tanzte zusammen mit einem Männerballett. Ich versäumte keine Probe. Ich stand direkt neben ihr, dieser kleinen Person, die ich einst im Fernsehen bewundert und angebetet hatte. Ich sah die Proben der netten Umgarn, die am fliegenden Trapez arbeiteten. Sie kamen aus Budapest, vom ungarischen Nationalcircus. Ich fieberte mit ihnen, wenn wieder mal ein Sprung ins Fangnetz ging. Ständig mussten sie die Einstellung des Trapezes korrigieren. Mir entging nichts und am Abend ging ich mit den neuen Freunden essen und feiern.
Nach einer Woche intensiver Proben endlich die Vorstellung.
Ich begann, zu zeichnen, zu skizzieren, fand einen günstigen Platz am Rande der
Bestuhlung. Ich probierte veschiedene Materialien aus und endlich flog es aus
mir heraus, das erste Circusaquarell. Der Trompete spielende Clown! In 2 Minuten
gemalt.
Das war der Anfang meiner Circusbegeisterung, die 20 Jahre mein Leben bestimmen sollte.
Ich schrieb ein Buch "Circus aus der Sicht des Malers Jachino"
zu bestellen e-mail jachino2001@libero.it
oder Herausgeber VBKW Verband bildender Künstleru. Könstlerinnen Württemberg,
Augustenstr 93, 70191 Stuttgart
Getern, am 14.Juni 2009 lernte ich ein junges Mädchen hier auf der Insel Ustica kennen und ich zeichnete sie. Silvia stammt von der Familie Bizzarro ab,, ihreGroßmutter war dort Artistin im Circo Citta di Roma. Wie klein ist doch die Welt.