Circus Alberti

1982

Ich war aus der Schweiz gekommen, wo ich bei Knie gemalt hatte.

Da berichtete die Rems-Zeitung von großen Circuskrieg in Schwäbisch Gmünd zwischen der Stadt und den so üblen Bettelcircus, der dieser Stadt nicht würdig sei.Dieser Circus wird nicht in unserer Stadt spielen, wir haben seine Zeltmasten beschlagnahmt und die Polizei hat abgesperrt. Gleichzeitig aber tönten Trompeten und Elefantengebrüll werbend duch die Stadt und wurde eifrig plakatiert Dann erfuhr ich, dass der Circus in der Nacht sein Zelt aufbaut. Ich eilte am Morgen sofort zum Platz am Frauengefängnis, wo sonst die großen deutschen Circusse spielen. Barum, Giovanni Althoff, Busch-Roland, ?Althoff. Barum und Busch-Roland hatte ich gesehen, bei Barum hatte ich gezeichnet und gemalt.

Da stand tatsächlich ein bescheidenes 2 Mastenzelt, ein riesige Elefant lief auf dem Platz herum, folgsam auf Zuruf trug er schwere Dinge herum, man richtete Stallzelte auf, Wagen standen kreuz und quer, mit z.T. kaputten Reifen,um das Gelände standen Polizisten, an den Holzgeländern waren Pferde angebunden. Ich staunte, eine Unmenge und was für schöne Rösser. Ein kleines Männlein mit weißem Haar, mit 2 Ponies. Sagen Sie mal, wieviele Pferde sind denn das? „Genau 120 Stück, mein Herr, Sie können ja nachzählen!" krähte das alte Männlein. Es war der legendäre Circusdirektor Walter Frank! Ein Stallzelt war schon aufgebaut, die Pferdedarin angebunden. Ich blieb stehen vor einem kleinen bildhübschen Hengst, der wild stampfte und wieherte, zwischen zwei schönen Stuten gleicher Größe. „Araber" flüsterte mir eine Stimme zu. Der sympathische Stallarbeiter reichte mir die Hand:"Sagen wir Du zueinander, ich bin der Alfred, kommste in unsere Vorstellung morgen Abend?" Aber klar. Ich sah ihn wieder in der Vorstellung mit seinem Hengst Rex und mit den beiden Stuten, mit einem Pulk wuseliger Ponies. Ich war begeistert. Erst recht, als er extra zu mir kam und mir die Hand reichte. Der Stallarbeiter war Alfred Frank,genannt Gegix und sogar bei Knie berühmt. Techn.Direktor vom Circus Montana. Nun war ich jeden Tag beim Circus und bevor sie weiterzogen, schrieb ich einen Leserbrief gene die Ungerechtigkeiten der Stadt an die Remszeitung mit dem Versprechen, dass ich diesen Circus besuchen werde, um dort zu malen, wenn er unbelästigt von Stadt und Polizei spielen kann. So fuhr ich ein paar Monate später 400km in ein Dorf am Kaiserstuhl und dann nach Memmingen. Immer wieder suchte ich den Circus auf. Bis 1990. Erlebnisse, die ein Buch füllen können.

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