Januar 1986
Ich lernte sie kennen, als sie im Winterquartier auf einem Bauernhof bei Karlsruhe dabei waren, die Vorbereitungen für den Start des Circus zu treffen. Sie waren dabei, die Zeltmasten ihres neuen Zweimastzeltes zu streichen: Gisela und Gerhard Frank. Der Sohn Raimon war noch klein und tollte mit seinen Vettern und Cousinen der anderen Circusse Hansa und Aldano ihrer Verwandten im Winterquartier herum. Ich hatte den Auftrag, für Circus Aldano einen Wagen zu bemalen.
Die neue Saison starteten die drei Circusse gemeinsam mit einer Vorstellung im neuen Zweimastenzelt des Circus Aldoni.
Nur eine Vorführung zeigten damals die Aldonis: Vater, Mutter, Sohn und das Pony Liebling. Eine Clownsnummer: Springen und Nichtspringen. Dieses Nummer hatte ich schon gesehen bei anderen Circussen, aber hier war ich begeistert und hingerissen. Gerhard zeigte mir seine Tiere.Wir waren sofort Freunde. So sehr war ich begeistert, dass ich ein Jahr später den Circus im Winterquartier in Legelshurst besuchte und anfragte, ob ich mitmachen dürfe. Ich wurde engagiert samt meinen beiden Pferden, Clown durfte ich auch sein. Ich hatte zuvor bei vielen Circussen meine Bilder gemalt und so manches mitbekommen. Angeregt und beraten von berühmten Circusleuten dressierte ich daheim meine Lieblinge. Eine kleine Camarguestute und ein Welshpony. Und bei Bonanza durfte ich mit dem Chef als Clowngehilfe in die Manege. 1986 führte ich meine Pferde vor bei der Vernissage meiner Ausstellung in Aalen-Dewangen..
Zunächst malte ich bei den großen, berühmten Circussen wie Knie in der Schweiz, bei Roncalli, G. Althoff, Siemoneit- Barum, dann aber entdeckte ich den Zauber und Charme der kleineren Circusse, die oft auch Probleme mit meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd hatten. Ich wehrte mich gegen das Unrecht, schrieb Leserbriefe an die Zeitung und besuchte dann den Circus später. So waren wir Freunde geworden.
Ich fuhr in die Schweiz zu Circus Knie, bekam die Erlaubnis, dort zu zeichnen und zu malen. Ich schlief in meinem Campingzelt auf Campingplätzen in der Nähe des Circus. Ich kam ins Gespräch mit dem großen Pferdemagier Fredy Knie sen. damals Direktor. Seine Ratschläge waren dann die Grundlage meiner eigenen laienhaften Arbeit mit meinen Pferden, für die ich hinter meinem Stall eine rundeManege improvisierte. Und immer wieder besuchte ich die Circusse, die ich kennengelernt hatte. Ich schlief oft in meinem PKW. Aber ich half auch, wo ich sah, dass ich helfen konnte.
Aber nun war ich tatsächlich im Circus!
Ich kaufte mir einen uralten Ford-Transit, einen Pferdehänger und einen kleinen Wohnwagen.
Nach der Saison 1987 begegnete ich u.a. dem vielgepriesenen
Circus Aramannt in Urbach bei Schorndorf.
Arbeit gab es genug von früh bis spät. Meine Aufgabe war auch die Reklame: Die Schilder vorbereiten und Freitag abend nach der Vorstellung in der nächsten Ortschaft ausstellen.
Das war mir bald zu dumm,denn die dofen Papierplakate
fielen immmer vom Regen herunter oder wurden abgerissen. Da schnitt ich
Schablonen und spritzte auf die Hartfaserplatten:

Das gefiel dem Chef, das Publikum reagierte. Ich bemalte die
Circuswagen
1993 kaufte ich einen Compressor und spritzte weitere Plakate

Wir waren ja nur zu viert und mit über 50 Tieren unterwegs.
Aber die Kinder in den Orten, wo wir gastierten, halfen uns viel, weil es ihnen Spaß machte. Es gab viel Neues, viel Aufregungen und Abenteuer. Der kleine Raimon war damals erst 12 Jahre alt, aber er arbeitete schon wie ein Großer. Mensch, hatte der Kraft! Auf jedem Platz das selbe Spektakel bei der Ankunft: der Knirps donnerte mit dem großen Hammer die schweren Eisenanker per Rundschlag in den Boden, ob Wiese oder Sand, Stein oder Asphalt. Und er wurde bewundert.
Unsere Wege trennten sich, ich zog nach Italien. Aber immer mal wieder zog es mich zum Circus Aldoni zurück für ein paar Tage oder auch Monate. Da hatte ich keine Pferde mehr, aber ein Maultier. Das hatte ich gekauft, als es zu frech wurde und verkauft werden sollte.(1992) Das Maultier hatte ich auf die Welt kommen sehen, 1988 im Schwarzwald. Ich spielte mit ihm und brachte ihm was bei. Als ich es 1992 wieder sah, erkannte es mich wieder und folgte mir. So blieb ich beim Circus Aldoni und führte nun mein Maultier Chicita vor. Ein richtiges Clownsmaultier voller Einfälle und Dummheiten.
Aber irgendwann trennte uns das Schicksal. Ich war alt geworden und krank.
14.April 1994, Neuhengststett
Es war das letzte Aquarell, das ich beim Circus Aldoni malte.
Ich spürte, dass ich dieses Bild nicht mehr übertreffen kann.
Meine künstlerische Arbeit als Maler war damit abgeschlossen.
Natürlich malte ich den geliebten Hengst Carino, den ich wohl einige hundert Mal hatte bewundern dürfen. Die Konsequenz war:
ich verließ den Circus Aldoni.
Meinen Wohnwagen, mein Maultier schenkte ich dem Circus, wie "Hans im Glück"
1996 wählte ich dieses Bild für das Plakat meiner großen Ausstellung in Civitanova-Marche.
Ich begann, mit dem Computer zu arbeiten. Auch ein Abenteuer, denn damals waren die Computer noch recht schwach und primitiv.
Man konnte noch keine Fotos in den Computer eingeben wie heute. Oder Zeicnungen. Oder Bilder.
Da malte ich eben mit der Computernouse!
Was? Circus natürlich!
und daraus eine animierte CD
2001 starb Gerhard Frank bei einem tragischen
Eisenbahnunglück
