Circus Aramannt

Endlich sah ich also den Circus Aramannt. Sie hatten nur ein bescheidenes Zweimastenzelt, aber sonst war es ein richtiger Großcircus. Schon das Äußere war eine Augenweide. Schöne Dekorationen und schmucke Circusuniformen. Im Zelt ein gemalter Sattelgang und dann eine bestens durchorganisierte, klug eingeteilte Vorstellung.

Ich habe noch keinen Circus gesehen, der so viele Tiernummern im Programm hat. Nur eine einzige Nummer war ohne Tiere: Das Drahtseil.

Ich ließ mir die nächsten Plätze mitteilen und malte bei ihnen eine ganze Mappe voller Aquarelle.

Circensische Glanzleistungen der Dressur aller Familienmitglieder!

Ponies mit Hunden, Gänse, Kühe, Esel, Elefanten, Ziegen, Lamas, Bären und Kamele, Hohe Schule auf einem mächtigen Friesenhengst. Und natürlich gut dressierte Pferde.

Eine Sensation ist die Bärennummer. Zu Beginn ansprechende Übungen mit 6 Bären, mit verschiedenen Requisiten, Roller und Motorrad. Dann die Sensation.

2 riesige Braunbären reiten auf einem Pferd. Eine große hohe Brücke wird aufgestellt. Ein Bär steigt vom trabenden Pferd auf die Brücke. Nach einer RundePlatzwechsel. Der zweite Bär steigt vom Pferd auf die Brücke, der erste Bär von der Brücke wieder auf’s Pferd. Ein paar mal wiederholt sich das Spektakel. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben.

Ein paar Proben konnte ich miterleben, es war eine Freude, zu sehen, mit welchem Einfühlungsvermögen und echter Zuneigung sie mit ihren Tiere umgehen, statt Geschrei und Gewalt Liebe, Geduld, Spiel, Spaß, Verständnis, Streicheleinheiten, sanfte Stimme und Belohnung, aber auch Konsequenz, Ernst, gegenseitiger Respekt.

Da aber dieser Circus jeweils große Sprünge macht von einem Platz zum andern, oft mehr als 100 oder 200 km, konnte ich dem Circus nur kurze Zeit folgen.

Zur Familie Spindler fand ich keinen Kontakt, hinter aller Höflichkeit spürte ich die Distanz mir, dem Privaten gegenüber und natürlich wollten auch sie irgendwas Nützliches, sie wußten nur nicht was. Genau wie die Ortmanns bei Circus Barlay-Orandi. Über meine Aquarelle, die ich zur Auswahl anbot, schüttelten sie natürlich den Kopf. Was nun? Schließlich führten sie mich zur einer Wagentür an einem Container, das soll ich was drauf malen und was, das bestimmten sie. Das paßte natürlich überhaupt nicht und mir schon gar nicht. Jeder sprach mir da hinein und vor allem sollte es "richtig" sein, ordentlich, sauber und genau bis ins kleinste Detail. Das Ergebnis war dementsprechend und ich hoffe, dass es bald wieder zu gestrichen wurde, um einem richtigen Maler Platz zu machen.

Wenn ich das könnte, was die Spindlers von mir verlangten, wäre ich ein reicher Mann.

Gleichzeitig  geisterte ein anderer seltsame Circus in der Gegend herum mit dem vielverspechenden Namen Circus Ali-Baba. Ich lachte mich schief. Ich suchte vergeblich die vierzig Räuber.