Circus Siemoneit- Barum

1981:Ich begegnete dem Circus im nahen Schwäbisch Gmünd und besuchte auch die Proben am Vormittag, ich sprach mit Gerd Siemoneit, dem Direktor und berühmten Raubtierdompteur und bat ihn um die Erlaubnis, in seinem Circus zu zeichnen. Ich durfte die Liste der kommenden Spielorte im Büro einholen. Aber das war viel zu weit weg von mir. Ich musste mein Vorhaben auf das nächste Jahr verschiieben, weil ich selbst Probleme daheim hatte mit meinem erkankten Patenkind, das bei mir lebte mit seiner Mutter.

Ich mußte dann Juliane den ganzen Winter täglich nach Stuttgart bringen zur Behandlung.

Es war Ostern 1982, da meldete mein Patenkind aus Stuttgart, wo sie im Krankenhaus lag, die Entwarnung, sie war fast geheilt und dass Circus Barum in Stuttgart gastiert.

Sofort fuhr ich zum Circus auf den Cannstatter Wasen. Ich war verabredet mit einem auf Circus spezialisierten Fotografen. „Da kenn ich Alle, ich stelle Dich vir" hatte er getönt und mich zum Circuseingang bestellt. Um ihn nicht zu verpassen, wagte ich nicht, mich bei der Kasse anzustellen. Es erschien der nette Büroleiter, der mir ein Jahr zuvor die Spielortliste gegeben hatte. Er erkannte mich, begrüßte mich freundlich und holte mich in den Circus hinein,so wartetet ich im Vorzelt auf den Fotografen. Der kam nicht. Schließlich erschien der Chef Gerd Siemoneit selber. In stattlicher Circusuniform. Den fragte ich nach dem Fotografen. „Ja der ist im Zelt und fotgrafiert". Siemoneit erinnerte sich auch an unser Gespräch vor einem Jahr. Aber dann plötzlich : „Haben Sie eine Eintrittskarte?" Er explodierte und schrie mich an. Da rannte ich sofotrt zur Kasse. Nun, berechtigt, betrat ich den Circus und ging ins Pressebüro zu Pamela Böke, die mir einen Ausweis ausstellte. Sie wünschte sich ein Bild vom Nilpferd. So wurden wir Freunde. Ab jetzt war ich jeden Tag im Circus, bei den Proben und bei den Vorstellungen. Ich begann zu zeichnen, bis zu 80 Skizzen in einer Vorstellung. Endlich bei einer Probe auch ein Aquarell eines springenden Tigers. Ich war bei Barum in Stuttgart, Ludwigsburg und Göppingen, zeichnete und aquarellierte und gewann Freunde. Arbeiter und Artisten. Der großartige Dresseur für Pferde, Lamas, Nilpferd, Rhinozerus, Zebras und gleichzeitig Akrobat Charly Knie lud mich ein auf seinem Wohnwagen zu einem Kaffee. „Ich erwarte sie am 27.Mai am Eingang des Schweizer Nationalcircus Knie genau um 17 Uhr in Schaffhausen, um Sie meinen Verwandten vorzustellen, Circus Knie ist sehr offen für Maler." Und ich war pünktlich und malte 3 Monate bei Knie, unterwegs mit meinem Campnzelt, das ich jeweils auf dem nächsten Campingplatz aufbaute. (Siehe mein Bericht Circus Knie)

Bei Barum befreundete ich mich mit der großartigen Kosaken-Reitertruppe Bratuscin.Die alten Eltern und Gründer der Truppe versorgten die Pferde. In der Mange glänzten der Sohn Liswoy und seine Frau, die Tochter Mignon und die 5 jährige Enkelin auf einem Pony. Mit Liswoy und Mignon hatte ich auch außerhalb des Circus Kontakt.

Damals in Stuttgart, Ludwigsburg und Göppingen bezauberten mich verschiedene Damen des Circus. Eine kam mit dem Bauchladen voll Getränken und Süßigkeiten zu mir, wenn ich zeichnete. Sie hatte braune Haare, eine Schwarzhaarige bediente in der Restauration und wir sprachen italienisch, eine Braunhaarige putzte die Pferde und ritt in der Probe, Eine mit Kosakenmütze erschien in der Vorstellung als rasante Reiterin, mein Herz klopfte Sturm! . Als ich inSchaffhausen auf Charly Knie wartete, kam eine Dame in schickem Kleid zu mir und umarmte mich.

Da begriff ich: alle diese verschiedenen Damen waren immer dieselbe: Mignon Bratuscin. 1992 gründete sie ihren eigenen Circus Marbella und schrieb mir, dass ich kommen soll. Ich fuhr hin. Ich sollte als Clown mitmachen, aber ich vertrug mich nicht mit Mignons Lebensgefährten und sah in dem Circuskonzept wenig Chancen. So ging ich wieder.

Im März 1983 fuhr ich zum Winterquartier Barum in Einbeck, um bei den Raubtierproben zu zeichnen und zu aquarellieren. Ich logierte zunächst im nahen Hotel, nahm dann die Einladung der Tierpfleger an, bei ihnen im Wagen zu wohnen. Hier erlebte ich die Kehrseite des so stolzen Circus Barum! Was da im Fernsehen gezeigt wurde, war ein potemkinsches Dorf. Keine Unterkünfte mit Dusche und Speisesaal, wie im Fernsehen gezeigt, nur die Tiere waren bestens untergebracht. Vorbildlich. Die armen „Angestellten" aber hausten in uralten Holzwohnwagen, wo der Wind durchpfiff. Gekocht wurde auf einem alten Kanonenofen, das Holz dafür „organisierten" sie. Aber lustig war es. Da erfuhr ich sehr viel über Circushintergründe. Wir suchten die Kneipen in Einbeck heim und dort erfuhren wir viel Tratsch über den oft radikalen Radaubruder Circusdirektor. Gerd Siemoneit probte als Clown, alles lachte über dies vergebliche Bemühen. Siemoneit mochte mich nicht. Mit den Arbeitern fuhren wir zum nahen Winterquartier von Circus Busch-Roland. Ein Elendsquartier in den Schuttbergen einer verlassenen Ziegelei, dass den großspurigen Werbesprüchen Hohn spricht. Ich traf Circus Barum später wieder. In Überlingen, dort trat Siemoneit auch als unfähiger Clown auf, in Bad Waldsee, in Vaihigen/Enz und zuletzt 1994 in Bietigheim. Diesmal tatsächlich ein freundliches Gespräch mit Gerd Siemoneit. Bis ich den Camper von Pamela Böke fand, hatte sie schon eine Flasche Champagner bereit. „Der Maler ist da!" Lange feierten und plauderten wir über das Thema „der Private im Circus". Pamela Böke stammt selbst aus einer Künstlerfamile, ihr Vater war Bildhauer und Maler. Erkennungszeichen ihres Campers: ein Klebeband rund um den Camper mit lauter Nilpferden.

Neues am 4.9. 2008:

ich entdeckte im SPIEGEL  ein Foto aus der TV-Serie Lindenstraße von Rebecca Siemoneit- Barum

die Cicusprinzessin a.D. ich malte sie 1982 mit einer Ziegendressur. 1983 sah ich sie im Winterquartier in den Proben unter der Fuchtel  ihres gestrengen Herrn Papa, dem berühmten Löwenbändiger mit Verdienstorden. 1987 beschwerte sich mein Freund Liswoy Bratuchin, daß seine hochbegabte 3 jährige Tochter nicht auftreten darf, um der Rebecca nicht die Schau zu stehlen. Liswoy führte mir sein Töchterlein in der Manege vor: das war einfach super, genial, was die Minikosakenreiterin da auf ihrem kleinen Pony zeigte. Gerd Siemoneit, der sich so gern im Fernsehen zeigte als der große Menschen- und Tierfreund hatte dann auch die nötigen Verbindungen um seine Tochter als Schauspielerin in die allseits so beliebte Lindenstraße zu lancieren.

Liswoy Bratucin aber verließ diesen Circus nach vielen Jahren und machte Furore in Italien und Schweden.

 

 

 

Der nächste Circus