Circus Knie
Ich war pünktlich am 27.Mai 1982 in Schaffhausen vor dem Eingang des Schweizer Nationalcircus Knie, ich kaufte eine Karte und wartete an der Restauration.
Die Polizei hatte mich per Sprechfunk zu einem freien Parkplatz dirigiert. Die Stadtkapelle von Schaffhausen spielte zur Begrüßung des Circus. Ich staunte über den schönen Circusaufbau, schon das Vorzelt ein wahres Kunstwerk. Unterwegs in Tübingen begnete ich den Zebra-autos von Barum, jemand rief mir einen Gruss zu. Nun in Schaffhausen bekannte Gesichter: Gerd Siemoneit inmitten seiner Artisten. Charly Knie begrüßte mich. Auch eine sehr hübsche Dame im geblümten Kleid kam zu mir, umarmte mich.Jetzt erkannte ich sie: Mignon Bratuscin! Später erfuhr ich daheim, dass sie extra angerufen hatte, um zu erfahen, ob ich tatsächlich zu Knie gefahren sei.
Ich sah, wie Siemoneit Alles genau anschaute, z.B. die Einrichtung des Klowagens .
Die Vorstellung begann und ich saß gespannt auf meinem Platz.
Völlige Dunkelheit, Stille. Da begann ganz leise ein Xylophon, wurde ein wenig lauter und es wurde ein wenig heller. Mn sah in der Manege den Schatten eines Pantomine tanzenden Weißclowns. Es wurde wieder etwas heller, und das Xyophon hörbarer. Nun erkannte man den Clown. Aus dem Dunkel schwebte eine Schaukel mit einer feenhaft weißen Gestalt, der Clown hob sie behutsam aus der Schaukel. Im Halbdunkel kamen Gaukler in die Manege und führten was vor, der Raubtierdresseur knallte mit seine Peitsche, wild anzusehen mit Schnauzbart und Fell, Akrobaten machten Handstand, Salti mortale, ein Hundchen machte einen Sprung, der Clown Pantomime.
Und plötzlich, grelles Licht, ein lauter Tusch und Trommelwirbel, in der Manegenmitte stand ein muskelbepackter Herkules in goldener Rüstung,:
„Samsung, der stärkste Mann der Welt"
dröhnte es aus den Lautsprechern.
Begleitet von einem herrlichen Circusorchester führte Samsung seine Kräfte vor. Er brach Ketten, e verbog Eisen, er schlug mit der flachen Hand einen dicken Nagel durch ein Brett, Er holte aus dem Publikum 12 Männer und nahm es mit ihnen auf, sie zogen an seinem Arm und landeten alle im Sand.
Das war der Auftakt zu einer unvergeßlich schönen Vorstellung!
Ich war fasziniert, bezaubert und begann zu skizzieren. Dieser Circus ließ mich
nicht mehr los. Ich folgte dem Cicus nach Frauenfeld, suchte einen Campingplatz
in der Nähe zum übenachten." 2 Monate auf Tour bis nach Basel, wo der Circus
länger blieb.
Nie versäumte ich, rechtzeitig vor der Vorstellung das Spektakel vor dem Circus ; eine Gruppe Musiker spielte, Clowns machten Späße, Akrobaten traten auf.
Ich war den ganzen Tag im Circus, versäumte keine Probe, keine Vorstellung. Schließlich in Basel gelangen mir Aquarelle, so wie ich es geträumt hatte. Ich war wie verhext Die Bilder fielen mir einfach aus dem Pinsel, nun war ich „König", auch bei der nächsten Vorstellung und dann wars aus, ich konnte nicht mehr. Mit letzter Kraft die Heimfahrt nach Stuttgart und daheim 2 Wochen nur noch schlafen, ausruhen. Bis im nahen Schwäbisch Gmünd ein Ereignis Stadt ud Zeitung alarmierte. Der Doppelcircus Alberti-Montana war gekommen. Siehe Bericht Circus Alberti –Montana.
1983 fuhr ich zum Circus Knie in Luzern. Auf den Plakaten stand Circus-Poesie über dem Portrait von Clown PIC. Nach langer Zeit war auch Fredy Knie sen. wieder in der Manege mit seinen herrlichen Lippizanern.
PiC hatte einen fulminanten Publikumerfolg.
PIC ritt auf einem Rhinozerus und beschwor das Tier, nun endlich bitte zu fliegen, aus dem Zelt hinauf zu den Sternen. Man spürte schon,dass das massige Tier sich tatsächlich im nächsten Moment erheben werde.
PIC verteilte Glöckchen ans Publikum und erreichte so ein Glöckchenkonzert.
Er führte seine berühmte Seifenblasennummer vor: schließlich stand er selber in einer riesigen Seifenblase. PIC hatte seinen bemalten Wohnwagen von Roncalli mitgebracht.Wir aßen zusammen im Restaurant und machten aus, dass ich ihn vor seinem Wohnwagen portraitiere. Aber das war nicht möglich, ständig war PIC von Journalisten umringt und musste Interwiews geben.
1984 fuhr ich zu Knie nach Basel und malte dort. Dieses Mal
glänzten Illi & Olli, sowie die fantastischen Akrobaten aus China. Auch 1986
fuhr ich nach Basel. Aber nun gefiel mir der Circus nicht mehr. Fredy Knie sen.
hatte sich von der Leitung zurückgezogen und der Circus hatte seinen Charme
verloren. Auf dem Pressebüro wurde mir mitgeteilt, dass ich nicht mehr an meinem
gewohnten Platz malen dürfe, auf der Ebene oberhalb der Treppe des Zelteinganges.
Ich baute mein Campingzelt auf dem Campingplatz Kaiseraugst wieder ab und fuhr
nach Leutkirch zum Circus Montana.
Ich fand eine Kostbarkeit wieder. Das Geschenk eines Freundes. Ein Foto der Familie F.Knie um 1901. Jener legendäre Arzt aus Schwäbisch Gmünd, der sich in die schöne Circusprinzessin verliebte und nun selber Seiltänzer wurde. Er gründete den Schweizer Nationalcircus Knie