Cirque Alexis Gruss

1985 schickte mir mein Studienkollege Roland Ladwig aus Berlin Unterlagen, die mich besonders interessierten:

Der französischen Nationalcircus Cirque Alexis Gruss hatte einen Malerei-Wettbewerb ausgeschrieben und eine erstaunliche Summe dafür ausgesetzt. Alexis Gruss gastierte mehrere Monate in Berlin.

Da musste ich hin, denn ich hatte von diesem hochberühmten Circus im Fernsehen schon viel erfahren.

An meinem Geburtstag, dem 14.Mai 1985 stand ich vor dem Circuszelt. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen. Hier durfte ich malen nach Herzenslust. Und das tat ich. Jeden Tag fuhr ich von meinem Quartier im Stadtzentrum zum Circus.

Jeden Tag waren Proben: morgens und nachts nach der Vorstellung. Wenn ich morgens zu zeichnen und malen kam, wurde ich von der Familie Gruss freundlich begrüßt per Handschlag, die Kinder sogar mit einer Verbeugung. Alexis war sehr interessiert an meinen Arbeiten.

Ein sehr familiärer Circus! Abends nach den späten Proben traf ich mich mit den Artisten in der nahen sizilianischen Pizzeria. Ich malte, dass vor Überanstrengung meine Augen Schwierigkeiten bekamen. Ich malte mir die Seele aus dem Leib! Denn was ich da jeden Tag genießen durfte, war einfach umwerfend.

Die ganze Vorstellung war in ein Circusmärchen verpackt. Die einzelnen Leistungen waren unglaublich.

Die noch jungen Söhne der Familie Gruss waren schon Top-Künstler. Der 12jährige Lucien ritt auf dem Elefantenrüssel, der 14 jährige Henri führte eine ungarische Post im Dunkeln vor, jonglierte mit Feuer auf einem Hengst in vollem Galopp.

Eine einmalige Clownschau mit Großvater, Vater und Sohn. Der alte Großvater Gruss brachte mit ein paar Handbewegungen und seiner Trompete das Publikum zum Rasen.

Gipsy Gruss, die Frau von Alexis, machte waghalsige Voltigen auf galoppierendem Kamel und lief auf dem Schrägseil hinauf zur Circuskuppel. Jeden Morgen probte sie stundenlang. Der Kleinste kam jeden Morgen in die Manege und ritt ein paar Runden auf dem Pferd.Dann bekam er seinen Schnuller wieder und weg war er. In den Proben war Zukunft angesagt: 2 Elefanten, ein Elefant tritt auf ein Schleuderbrett und der Artist wirbelte in salti mortali auf den andern Elefanten. Meine Begeisterung kannte kein Ende.

Ich machte mir Sorgen darüber, dass ich in der ganzen Zeit keinen einzigen Berliner Kollegen im Circus gesehen hatte. An der vorgesehenen Wettbewerbsausstellung durfte ich nicht mitmachen. Weil ich kein berliner Künstler war. Trotz des persönlichen Wunsches von Alexis Gruss. Der VBK Verband bild.Künstler Berlin lehnte mich ab, weil ich vom VBK Württemberg war. Und was war dann in der Ausstellung zu sehen: z.B. ein Preisträger : eine alte Zinkbadewanne mit Sand gefüllt, eine Schnur von Handgriff zu Handgriff, darauf zwei Wäscheklammern, Titel „Seiltänzer" . Ja,gegen diese geniale moderne Kunst bin ich ein unverbesserlich altmodischer Maler.

Gruss hatte nur Tiere mitgebracht, die in der Vorstellung und den Proben gebraucht wurden.

Eines Tages kam am Morgen eine große Besuchsgruppe in den Circus. Die Mitglieder des Vereins der Circusfreunde, Sektion Stuttgart. Ein älterer Herr stellte sich neben mich, ich malte gerade. „Ja, Grüeß Gottle, Herr Busch!" Nein ich bin nicht der Herr Busch" (Der Maler Busch arbeitete für die Zeitung der Circusfreunde) Weg war er. Aber ich war gestört worden und mein Bild hinüber. „Jetzt ganget mer zu de Viechle" tönte es. Aber Gruss lässt niemand zu seinen Tieren, die müssen ihre Ruhe haben. Prima!

So nebenbei jetzt zum Thema „Verein der Circusfreunde.eV."